Gemeindenachricht

Pragmatische Zuversicht: "Wir im Landkreis schaffen das“


Gehen die kommenden Aufgaben zuversichtlich an (v.l): Bürgermeister Franz Masino, SNW-Vorsitzende Erika Anderer, Landrat Dr.Christoph Schnaudigel.

Pragmatische Zuversicht:  „Wir im Landkreis schaffen das“

 
Dass es keine einfachen Lösungen gibt, ist allen Verantwortlichen im Landkreis und in der Gemeinde bewusst. Doch mit einem klaren „Wir werden das im Landkreis schaffen“, machte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel seine Haltung zu aktuellen Flüchtlingsfragen deutlich.
Das Service Netzwerk Waldbronn hat gemeinsam mit der Gemeinde, den Landrat zu einem Diskussionsabend zum Thema „Bevölkerungsentwicklungen und Auswirkungen vor dem Hintergrund der Zuwanderung“ ins Kurhaus geladen. Rund 250 Waldbronner Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung ob des aktuellen Themas gefolgt.
 
„Bange machen gilt nicht“
Ein Thema, so Bürgermeister Franz Masino bei seiner Begrüßung, das „uns in seiner Aktualität wöchentlich mit immer neuen Flüchtlingszahlen einholt und uns alle bewegt“. Doch „bange machen gilt nicht, wir müssen uns den Aufgaben stellen“. Gleichzeitig dürfen „wir die Ängste und Sorgen, der Mitbürger nicht aus den Augen verlieren“. Der Landkreis habe „vorbildlich reagiert, angesichts der alarmierenden Flüchtlingszahlen“. Franz Masino konkretisierte die Zahlen nochmals, dass Waldbronn im Laufe des kommenden Jahres zwischen 400 bis 600 Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft auf dem Fabrikgelände in Neurod und bis zu 150 Flüchtlingen in Anschlussunterkünften bis 2017 aufnehmen wird. Eine „große Herausforderung“: Neben bezahlbarem Wohnraum müsse Platz in Kitas und Schulen geschaffen werden. In diesem Zusammenhang gehe ein großer Dank seinerseits an die vielen ehrenamtliche Helfer für ihre tatkräftige Unterstützung.
 
50 Prozent aller Flüchtlinge unter 25 Jahren
Zunächst lobte der Landrat das SNW, das weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist, für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement. Für viele andere soziale Netzwerke diene das SNW als Vorbild.
Bei seinen anschließenden Vortrag wies Christoph Schnaudigel darauf hin, dass es schon immer und zu allen Zeiten Zu- und Abwanderungen gegeben habe, auch mit unterschiedlichen religiösen Hintergrund, die zu demografischen Veränderungen in der Bevölkerung geführt haben. Dass es in den kommenden Jahren immer mehr ältere Menschen geben und zudem ein Fachkräftemangel herrschen wird, ist aus seiner Sicht nicht kurzfristig durch eine Zuwanderung zu lösen. „So viele gebildete Syrer, die einen Fachkräftemangel ausgleichen können, gibt es nicht.“  Konkret wurde der Landrat ebenfalls bei den Zahlen: So werden im Landkreis 50 Prozent aller Flüchtlinge unter 25 Jahren sein. Sprachunterricht sowie Vorbereitungsklassen für diese Bevölkerungsgruppen sind sehr wichtig, es gebe bereits Projekte mit schulbegleitenden Praktika, so Christoph Schnaudigel. Pragmatische Zuversicht verbreitete der Landrat, „wir werden das im Landkreis schaffen, denn es bleibt uns nichts anderes übrig“. Allerdings könne es auf Dauer so auch nicht weiter gehen. Denn: 700 Flüchtlinge monatlich kommen in den Landkreis, diese müssen auf 32 Städte und Kommunen verteilt werden. Und erst dann, wenn die Flüchtlinge anerkannt sind, fängt die eigentliche Integration an. Doch der Landrat macht ebenfalls deutlich: „Grenzen dicht machen, ist ebenfalls keine Lösung“.

Sehr gut besucht war der Vortrag von Landrat Dr.Christoph Schnaudigel im Kurhaus.
 
„Respektvolles Miteinander“
Vor der anschließenden Diskussion dankte Erika Anderer als Vorsitzende des Service Netzwerk Waldbronns dem Landrat für seine Zuversicht und positive Ausstrahlung angesichts der Flüchtlingsfrage. Sie warb für ein „respektvolles Miteinander“. Integration sei möglich, allerdings unter dem Grundsatz „Hilft zur Selbsthilfe“. Sie ist sich sicher: „Große Herausforderungen warten auf uns, aber auch große Chancen“.  

In der abschließenden Diskussion kamen Fragen zu Vermietungen und den langen Anerkennungsverfahren zur Sprache. Natürlich seien die Verfahrenszeiten ein großes Problem, so der Landrat, es sei versäumt worden, personell aufzustocken. Bei Vermietungen können entweder die Gemeinde oder der Landkreis als Mieter auftreten. Der Personenkreis, an den vermietet wird, ist mit den örtlichen Sozialdiensten abzusprechen. Eine Bürgerin wies darauf hin, dass es auch wichtig sei, den jungen Flüchtlingen deutlich zu machen, in ihre Heimat zurückzukehren. Zur Frage nach dem Standort der Gemeinschaftsunterkunft in Neurod entgegnete der Bürgermeister, dass der Landkreis gezielt nach Grundstücken gesucht habe und den Platz auf privater Fläche gefunden habe. Anschlussunterbringungen sollen auf alle drei Ortsteile verteilt werden. Eine Trennung von religiösen Kulturen hält der Landrat für keine gute Idee. „Die Flüchtlinge sollen ja lernen, miteinander zu leben.“ Natürlich gebe es Konflikte, aber im Landkreis habe die Kriminalität bisher nicht beängstigend zugenommen.

Nach der Diskussion blieb noch bei Getränken und Snacks, die von der Bäckerei Nußbaumer gespendet worden waren, genug Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit dem Landrat.
 
INFO: Schon jetzt lädt der SNW zu einer weiteren Infoveranstaltung zum Thema „Sicheres Waldbronn- der aufmerksame Nachbar“  am 16. November, 18.30 ins Restaurant Albhöhe ein. Kriminalhauptkommisar Rausch von Polizeipräsidium Karlsruhe wird im Rahmen des SNW-Forums rechtzeitig zu Beginn der „dunklen“ Jahreszeit anschaulich auf die Gefahren hinweisen, die sich durch kriminelle Umtriebe ergeben. Er gibt wertvolle Hinweise, wie jeder seine eigene Wohnumgebung schützen kann und durch verschiedene Maßnahmen für Sicherheit sorgen kann.
 




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