Gemeindenachricht

Politisches Kabarett zum Nachdenken


Ihr war es damit gelungen, eines der besten Kabaretttheater Deutschlands nach Waldbronn zu locken.

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Die Dresdner "Herkuleskeule" gastierte vor ausverkauftem Haus beim Kulturring Waldbronn mit (von links) Erik Lehmann, Rainer Burche und Birgit Schaller.

"Es gibt nichts Schöneres als ein ausverkauftes Haus", konnte Christina Rieker, Geschäftsführerin des Kulturring Waldbronn, bereits zum zweiten Mal in Folge freuen, als die Kabarettisten der Dresdner "Herkuleskeule" in Waldbronn ihre Visitenkarte abgaben.

Die "Herkuleskeule" reicht zurück bis ins Jahr 1954 und ist mit der Berliner "Distel" und der Leipziger "Pfeffermühle" eines der ältesten Kabaretttheater der ehemaligen DDR. In diesen Jahren balancierten die Kabarettisten im Osten Deutschlands auf einem schmalen Grat, einmal wurde sogar ein gesamtes Programm der "Herkuleskeule" verboten und musste komplett neu geschrieben werden.
Ensemblekabarett heißt das Zauberwort der "Herkuleskeule". Es war erfrischend zu beobachten, wie sich Birgit Schaller, Rainer Bursche und Erik Lehmann die Bälle der vom künstlerischen Leiter Wolfgang Schaller geschriebenen Texte zuwarfen. Unterstützt wurden sie von den Musikern Thomas Wand und Sascha Mock.
Schaller arbeitet bewusst mit, wie es heute heißen würde, "politisch nicht korrekten" Bildern, bringt aber gerade dadurch seine Zuschauer zum fast atemlosen Nachdenken. Und so reihen sich gesprochene und gesungene Nummern aneinander und ergeben zum Schluss des Abends ein stimmiges Ganzes, das gerade durch die Überspitzung den Zuschauern viel Nachdenkenswertes mit auf den Heimweg gibt.

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Die "Herkuleskeule" im Kulturtreff.

Im ersten Teil, hier ging es vor allem um die Flüchtlingskrise, bedienten die drei Dresdner ungeniert Vorurteile und brachten so viele ihrer Zuschauer zum Nachdenken. Höhepunkt war der "Kapitalismus-Boogie" mit vielen aneinandergereihten -ismen und der abschließenden Feststellung: "Der beste -ismus ist der Kabarettismus!" in einer brillanten Nummer entwirrten sie die Verhältnisse im Nahen Osten und wer dort mit wem oder gegen wen agiert. Angst bereitete ihnen, wenn sich Extremisten aller Religionen vereinigen und das Mittelalter zurückkehrt. Der furios über die Rampe gebrachte "Fundamentalisten-Rap" schloss dieses Thema.
Die Kritik an den EU-Staaten gipfelte in der Befürchtung: "Europa geht den Bach runter", "und wer steht am anderen Ufer?" "Die Chinesen!" Einige Politiker, die Blicke richteten sich deutlich nach Süden, könnten durch Rücktritt ihren Eid einlösen, Schaden vom deutschen Volk zu wenden.
Aber nicht nur Politiker bekamen ihr Fett weg, auch der moderne Life-Style wurde aufgespießt mit der Frage: "Dürfen Vegetarier Fleischtomaten essen?" Probleme sahen die Dresdner auch bei immer älter werdenden Müttern voraus mit der Schwierigkeit, Kinderwagen und Rollator gleichzeitig zu schieben.
Einer der Höhepunkte im zweiten Teil war das aus Chaplins "Der große Diktator" entlehnte Spiel Erik Lehmanns mit der Weltkugel und dem Bekenntnis: "Ich heiße Google, ich beherrsche die Welt! Ihr sendet mir pausenlos Informationen!"
Langanhaltender Beifall dankte den drei Dresdner Kabarettisten und den Musikern für einen Abend, der viel Anstöße zum Nachdenken bot. Ein Wiedersehen sollte der Kulturring ins Auge fassen.


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