Gemeindenachricht

Waldbronner Woche


Lisa Fitz steht seit über 40 Jahren auf der Bühne. Bereits zum zweiten Mal gastierte die Kabarettistin, eingeladen vom Kulturring, in Waldbronn.

Lisa Fitz feuerte im voll besetzten Kurhaus eine rhetorische Speerspitze nach der anderen ab


Seit über 40 Jahren steht die „Speerspitze des deutschen Kabaretts“ auf der Bühne. Weiser vielleicht, aber niemals leiser, dafür pointiert, zynisch, und manchmal bitterbös, kommt die bayerische Soloakabarettistin mit ihrem neuen Programm „Flüsterwitz“ daher. Im voll besetzten Kurhaus sorgte die Frau, die immer singt und sagt was sie denkt, und die seit jeher wortgewaltig gegen jede Form der Diskriminierung, aber für den Feminismus streitet, für wahre Beifallsstürme. Austeilend nach Links, nach rechts und in die Mitte, feuerte sie ihre rhetorischen Speerspitzen in alle Richtungen ab.

Doch der Reihe nach: Den Flüsterwitz erzählte man früher in Diktaturen nur hinter vorgehaltener Hand. Er könnte ja wahr sein und den Machthabern gefährlich werden. Doch in der Demokratie hingegen, findet Lisa Fitz, wird er am Stammtisch erzählt oder nur unter dem Motto, „das darf man gar nicht laut sagen“. Stimmt nicht, sagt Lisa Fitz. Und hat über das, worüber angeblich nicht geredet wird, ein Drei-Stunden-Programm gemacht. Wobei ja heute in der Demokratie die besten Kabarettisten eh in der Regierung sind und „beinahe bessere Komiker sind, als wir“. Doch was prangert sie alles an? Viele Themen, wie Feminismus und Diskriminierung sind gleich geblieben, viele wie Migration und Flüchtlingspolitik sind hinzugekommen. Besonders stört Lisa Fitz das „gewaltige Elend der Gesellschaft, nämlich die Unwissenheit“. Das Volk, also wir, werden für dumm gehalten, entweder weil wir uns nicht informieren oder weil wir durch die Politiker oder Medien manipuliert werden. Überhaupt, die Politiker und Medien bekommen am meisten ihre Schelte ab. Die „SPD ist der HSV der Politik“, die Politiker selbst verkaufen ihre „Denkschwäche für Ichstärke“, die Kanzlerin („Raute des Grauen“) sorgte mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ für Unsicherheit. Wer ist schließlich „wir“ und „was“ genau sollen wir eigentlich „wie schaffen“. Und überhaupt die „Pomos“ (Politikermonster), die wie Godzilla durchs Land trumpeln („blöder Witz“) und eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen. 

Und die Medien, allen voran das Fernsehen als „Massenverblödungswaffe“ trägt natürlich auch zur Volksverdummung bei. Hier zitiert Lisa Fitz noch den Altmeister des politischen Kabaretts, nämlich Dieter Hildebrandt mit den Worten. „Die Öffentlich-Rechtlichen haben die Hosen gestrichen voll und die Privaten senden das, was drin ist“.  Und wir, also wir das Volk denken, wir hätten eine Meinung, dabei sei es nur eine „betreute Meinungsbildung - jeder hat eine Meinung, nur keiner weiß woher“. Hinterher enden wir noch als GNTT – Germanys Next Top Trottel.

Dabei ist alles so einfach, propagiert die Künstlerin, die bei allem Geschimpfe nie ins Jammern versinkt: Warum nicht einfach sein eigenes Gehirn nutzen, der Bürger sollen sich informieren und selbst denken, schließlich ist „das Gehirn keine Seife, das weniger wird, wenn man es benutzt“.  
Und so endete nach nahezu drei Stunden Programm ein zwar nicht immer politisch korrekter, dafür aber ein herrlich witziger und anregender Abend mit der gemeinsam gesungenen ersten Strophe des Liedes „Die Gedanken sind frei“. Gott sei Dank!

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