Gemeindenachricht

50 Jahre Partnerschaft mit Esternay gefeiert




In Erwartung der Freunde aus Esternay

Wie alles kam …

Der Anstoß ging Anfang der 60 er Jahre von kirchlicher Seite aus. Erstes sichtbares Ergebnis war der Besuch von Abbé Nivet 1964 mit drei Jugendlichen in Etzenrot. Schließlich reiste eine kleine, "offizielle" Gruppe mit den Gemeinderäten Franz Kiecherer und Walter Lange gemeinsam mit Pfarrer Lehmann nach Esternay. Begleitet wurden sie von Erwin Reister, dem Leiter der Etzenroter Pfarrjugend, der auch dolmetschte. In den Folgejahren hielt er die Verbindung nach Esternay aufrecht und organisierte gemeinsam mit Abbé Benoist die regelmäßig stattfindenden Begegnungen.


Immer wieder kam es zu sportlichen Begegnungen im Fußball im Senioren- und Jugendbereich

1966 kam es dann zu ersten, noch etwas distanzierten Briefwechseln zwischen Esternays Bürgermeister Robert Thomas und seinem Etzenroter Kollegen Julius Schmieger. Am 1. Mai 1967 fand in Esternay ein Fußballspiel zwischen dem TSV Etzenrot und USS Esternay statt, das im folgenden Jahr in Etzenrot wiederholt wurde. Sichtbares Zeichen der Partnerschaft sind bis zum heutigen Tag in beiden Orten die "Rue d'Etzenrot" in Esternay und die "Esternay Straße" im kleinsten Waldbronner Ortsteil.
Beim 25-jährigen Jubiläum brachte es der damalige Waldbronner Bürgermeister Alfred Ohl auf den Punkt: "Ein kleines Samenkorn wurde ausgesät, um Europa mitzubauen."


In den 90 er Jahren bestand reger Kontakt zwischen dem College d'Esteray und der Waldbronner Albtert-Schule. Unser Bild entstand bei einem Ausflug nach Paris vor dem Centre Pompidou

Lebhafte Kontakte entwickelten sich in den folgenden Jahren vor allem zwischen den Feuerwehren und für einige Jahre zwischen dem College d'Esternay und der Waldbronner Albert-Schweitzer-Schule. Außerdem trafen sich die beiden Sportvereine TSV Etzenrot und USS Esternay zu zahlreichen sportlichen Begegnungen im Jugend- und Seniorenbereich.


Eine große Waldbronner Delegation fährt jährlich zu dem bayerischen Abend in die Partnergemeinde.


Die Mitgestaltung eines Gottesdienstes in Esternay durch den Kirchenchor Reichenbach Etzenrot unter seinem damaligen Leiter Herbert Dambach war die Initialzündung zur Gründung eines eigenen Kirchenchors in Esternay. Auch beim Kurparkfest ist das Partnerschaftskomitee Esternay aktiv. In zweijährigem Turnus sind sie mit tatkräftiger Unterstützung aus Esternay für einen deutsch-französischen Stand verantwortlich, an dem, wie könnte es anders sein, vor allem Champagner und Crépes sehr gefragt ist.

50 Jahre-Feier im Gesellschaftshaus Etzenrot

Beim Festbankett im Gesellschaftshaus

Gefeiert wurde das Jubiläum nun in Waldbronn im Gesellschaftshaus Etzenrot. Rund 150 Gäste waren gekommen, um den Geburtstag zu feiern. Wie bei dieser Partnerschaft nicht anders zu erwarten, herrschte an den einzelnen Tischen schnell eine familiäre Atmosphäre mit Erinnerungen an gemeinsame Tage, Ausflüge, Zeltlager, Veranstaltungen. Umrahmt wurde der Abend von der gebürtigen Waldbronnerin Sophie Kingdon und der Rock'n Roll-Gruppe der in Etzenrot beheimateten "Flying Petticoats".


Enge Beziehungen bestehen zwischen den Feuerwehren aus Etzenrot und Esternay, bei deren Treffen auch immer wieder Erinnerungsstücke ausgetauscht werden.

Neben vielen Erinnerungen war ein Ausdruck von Ernsthaftigkeit und Sorge spürbar. "Wenige Tage vor der Europawahl setzen wir ein Zeichen für Frieden," lautete die deutliche Aussage des Waldbronner Bürgermeister Franz Masino. Ob eine solche Partnerschaft heute noch gebraucht werde, dieser Frage gingen die beiden Komitee Vorsitzenden James Fouquet und Rainer Lange nach. Aus politischer Sicht sei Europa erreicht. Dazu trugen auch die Städtepartnerschaften bei, so Fouquet und Lange. Die Partnerschaften würden aber gebraucht, weil nationalistische Tendenzen wieder aufkeimen. Für beide sind sie ein Zeichen dafür, "dass Vorurteile und Hass überwunden werden können“. Dem gleichen Gedanken ging auch Esternays Bürgermeister Patrice Valentin nach und stellte fest: "Was vor 50 Jahren Sinn der Partnerschaft war, sollten wir bei den Wahlen ausüben. Lasst uns das deutsch-französische Bündnis und Friedensbekenntnis weiter leben!“


Die Pflanzaktion des Ginko und der Rosenstöcke begleitete der Musikverein "Harmonie" Etzenrot, musste aber wegen eines Gewitterschauers in einer benachberten Scheune Unterschlupf suchen.

Als Symbol der Freundschaft wurde ein Ginkgo gepflanzt, nachdem zum 30-jährigen Bestehen Waldbronn einen Gingko biloba in Esternay gepflanzt hatte. Bürgermeister Valentin überreichte zudem für jedes Jahrzehnt Partnerschaft einen Rosenstock der Sorte „La Marne“. Mit ihrem letzten Beitrag brachte Sophie Kingdon schließlich den Grundtenor der Festreden noch einmal in einer Gitarren-Akustik-Version von John Lennons "Imagine“ auf den Punkt:
Das Festwochenende zum 50. Geburtstag der Partnerschaft mit Esternay war mit zahlreichen Aktivitäten ausgefüllt. Am Freitagabend wurden die Gäste aus Esternay, Saint Gervais, Monmouth und Stadtilm in der Etzenroter Wiesenfesthalle von Bürgermeister Franz Masino und Komitee-Vorsitzenden Rainer Lange willkommen geheißen.


Ein Ausflug führte Esternayer und Waldbronner Freunde zum Schloss nach Rastatt.

Am Samstag stand ein gemeinsamer Ausflug nach Rastatt an mit einer Führung durch das Residenzschloss und einem nahrhaften Rundgang über die "Street-Food-Tour" im Schlosshof. Wieder in Etzenrot zurück wurden der Gingko biloba und die fünf Rosenstöcke gepflanzt. Ein Gewitterschauer sorgte dafür, dass nicht nur der am Ortseingang Etzenrot vom Albtal her neu gepflanzte Baum von oben tüchtig begossen wurde. Der Musikverein „Harmonie“ Etzenrot, der die Zeremonie mit dem Abspielen der Hymnen Frankreichs, Deutschlands und Europas begleitete, fand bei einem hilfsbereiten Nachbarn Unterschlupf in dessen großer Garage.  
Die Sonntagsmesse in der Herz-Jesu-Kirche Etzenrot, mitgestaltet vom Kirchenchor Reichenbach-Etzenrot und der Kantorin Katharina Weinert, wurde zu einem weiteren Höhepunkt der Jubiläumsfeier. Diözesanjugendseelsorger Christian Müller in Konzelebration mit Pfarrer Torsten Ret las nicht nur die Messe fast komplett zweisprachig in deutsch und französisch, auch seine Predigt hielt er bilingual. Für alle Messbesucher ein einmaliges, beeindruckendes Erlebnis. Organist Harald Fritz hatte aus diesem Anlass kirchenmusikalisches Liedgut ausgewählt, das in beiden Sprachen existiert. Ein von Pfarrsekretärin Gabi Pukowski erstelltes zweisprachiges Liedblatt ermöglichte es, die Strophen abwechselnd in beiden Sprachen zu singen, angeleitet vom Kirchenchor und der Kantorin. Zusammen mit dem anschließenden „vin d'honneur“, dem Sektempfang der Pfarrgemeinde auf dem Kirchhof, bildete die Messe den krönenden Abschluss des Festwochenendes. Vor dem gemeinsamen Mittagessen von Gästen und Gastgebern im Gesellschaftshaus nutzten die Besucher die Gelegenheit, eine Foto- und

Beim gemeinsamen Mittagessen im Gesellschaftshaus


Dokumentenausstellung zu betrachten. Mitglieder des Etzenroter Partnerschaftskomitees hatten in wochenlanger Arbeit Fotos und Dokumente aus den vergangenen mehr als 50 Jahren gesichtet und auf neun Stellwänden im Foyer des Gesellschaftshauses präsentiert. Die Ausstellung wird dort noch bis Ende des Monats zu sehen sein.
Nach dem Mittagessen hieß es dann Abschied zu nehmen. Nicht ohne ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren des Festes und die Gastfamilien, verbunden mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen beim Kurparkfest. Inzwischen sind alle wieder wohlbehalten zu Hause angekommen.



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