Gemeindenachricht

Goldenes Jubiläum zwischen Waldbronn und der Kultur


50 Jahre Kulturring
Mit Cocteaus "Heilige Ungeheuer" waren 1975 Elisabeth Flickenschildt und Hermann Schomberg in Waldbronn zu Gast.
Auslöser für das Gespräch war das 1968 eröffnete Kurhaus mit seinen Sälen, die nach Ohls Meinung auch für eine noch zu schaffende kulturelle Einrichtung nutzbar seien.

Um zu erfahren, ob an einem solchen Angebot überhaupt Interesse besteht, wurden "Vier Versuchsballons" gestartet, wie Ebert einmal sagte. Diese Konzerte mit Künstlern aus der Region waren so ermutigend, dass noch im Dezember 1969 der "Kulturring Reichenbach e.V." ins Leben gerufen wurde, der nach der Gemeindereform in "Kulturring Waldbronn" umfirmierte.

Konzipiert war und ist der Kulturring als eingetragener Verein, mit dem jeweiligen Bürgermeister als Vorsitzendem. Ihm zur Seite gestellt ist für die Planungen ein "geschäftsführender Vorsitzender".
Dieses Amt bekleidete bis 1984 Karlheinz Ebert, ihm folgte bis zu ihrem Tod 1993 Ute Ding, danach übernahm wieder Ebert, um 2002 an Wolfgang Seibold zu übergeben. Seit 2006 plant Christina Rieker die Programme des Vereins.

Da das kulturelle Leben im Karlsruher Umland noch recht überschaubar war, wollte der Kulturring mit einem attraktiven Programm auch Publikum von außerhalb anlocken.

Zwei Höhepunkte gab es bereits 1970: ein Lieder- und Arienabend mit der farbigen Sopranistin Gloria Davy und dem Melos-Quartett, das gerade dabei war, die Musikwelt zu erobern. Kunstreisen, für die Prof. Willy Huppert gewonnen werden konnte, führten ins Frankenland, Elsass, Bodensee und nach Oberbayern.
Für ein Konzert mit der Bulgarischen Staatskapelle Plovdiv 1971 war die Bühne zu klein. Alfred Ohl ließ kurzerhand einen Vorbau zimmern.

Der Kulturring selbst wuchs und zählte Ende dieses Jahres bereits 163 Mitglieder. 1971 begann die Zusammenarbeit des Kulturrings mit der Konzert- und Gastspieldirektion Laube aus Karlsruhe, die der Albtalgemeinde viele hochkarätig besetzte und gut besuchte Theaterabende bescherte.

In diesen Aufführungen gab sich fast alles, was damals Rang und Namen hatte, auf der Kurhausbühne ein Stelldichein. Agnes Fink, Elisabeth Flickenschild, Luise Ullrich, Hilde Krahl, Maria Schell waren ebenso vertreten wie Josef Meinrad, Werner Hinz, Karl Schönböck, Ewald Balser, Hermann Schomberg oder Hans-Joachim Kulenkampf, um nur einige zu nennen. Eine Sternstunde war der Auftritt von Maria Wimmer in Racines "Phädra".

Aber auch die Musik kam nicht zu kurz. Klavierabende mit dem jungen Christian Zacharias, mit Jörg Demus oder Justus Frantz standen ebenso auf dem Programm wie Konzerte mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter Karl Münchinger und vielen anderen.
Liederabende gestalteten neben anderen Helen Donath und Brigitte Faßbender. Bis 1974 jedenfalls stieg die Zahl der Mitglieder auf über 300. Ein Wendepunkt war das Jahr 1979, als das Staatstheater in sein neues Haus einzog und in Wörth und Neureut größere Hallen eröffnet wurden.

1987 fand der Kulturring für seine Veranstaltungen im neu erbauten Kulturtreff ein nahezu ideales Zuhause.
Höhepunkte waren hier die Lesungen mit Fritz Rau, Helmut Karasek oder Rafik Schami, die kurzfristig wegen der großen Nachfrage ins Kurhaus verlegt werden musste.KR 50 J. Matinee

Das Blockflöten-Ensemble der Musikschule Ettlingen, Leitung Ulrich Enters, beschloss die Matinee zum 50. Geburtstag.
Das Kurhaus aber wurde vom Kulturring vor allem in der Waldbronner Woche nach wie vor bespielt, so beim Gastspiel des Opera Swing Quartetts, oder den beiden Abenden mit Lisa Fitz, um nur einige zu nennen.
2017 fand erstmals ein festliches Bläserkonzert mit "Opus 4", dem Posaunenquartett des Gewandhausorchesters Leipzig, in der Busenbacher Pfarrkirche statt, das am 14. Dezember eine Neuauflage findet.

Der runde Geburtstag wurde jetzt mit einer gut besuchten Matinee im Kulturtreff Waldbronn gefeiert.
Musikalisch mitgestaltet wurde der Vormittag durch Schülerinnen und Schüler der Musikschule Ettlingen. Aus der Klasse Claudia König spielten Luca Müller und Arin Noshadi ein Werk von Cesar Frank, aus der Klavierklasse von Maho Kaneko interpretierte Guong Le Quoc ein Scherzo von Frédéric Chopin und das Blockflötenensemble von Ulrich Enters beschloss mit der Moonlight-Serenade von Glenn Miller.

Bürgermeister Franz Masino, kraft Amtes Vorsitzender des Kulturrings, erinnerte an den Ursprung, der wie bei so vielem in Waldbronn ein Kind von Bürgermeister Alfred Ohl sei. In Karlheinz Ebert, dem Kulturchef der BNN und damals "fast noch Neubürger", fand er einen kongenialen Partner, der den Kulturring "zum Blühen" brachte.

Masino erwähnte dabei das breite Programm aus Musik, Kabarett, Lesungen, Schauspiel und Kleinkunst. Viele Veranstaltungen seien durch die Unterstützung der Waldbronner Buchhandlung LiteraDur möglich geworden. Seit fast 15 Jahren stehe nun Christina Rieker in der Pflicht, "Kultur näher zu bringen".

Den richtigen Mix bei den Veranstaltungen zu finden, sei "die Herausforderung schlechthin". Dabei streifte Waldbronns Bürgermeister einige Highlights der zurückliegenden Jahre und verband damit gleichzeitig den Dank an die geschäftsführende Vorsitzende.

Christina Rieker flocht in ihre Worte zahlreiche Episoden ein, die sie mit Künstlern erlebt hatte, die sie für Waldbronn verpflichten konnte. Und es waren große Namen dabei, darunter auch die wiederholten Auftritte des Durlacher Puppenspielers Stephan Blinn, der es sich nicht nehmen ließ, der Einladung zur Matinee Folge zu leisten.

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