Gemeindenachricht

Runder Tisch zum Thema „Ärztliche Versorgung in Waldbronn“


Runder Tisch zum Thema „Ärztliche Versorgung in Waldbronn“
„Wie sieht es aus mit der ärztlichen Versorgung Waldbronn?“ Diese Frage beschäftigt nicht nur Waldbronner Bürgerinnen und Bürger, sondern auch die Verwaltung. Um über diesen komplexen Themenbereich zu diskutieren lud Bürgermeister Franz Masino alle niedergelassenen Ärzte in Waldbronn ins Rathaus ein. Sind wir in unserer Kommune medizinisch unter- oder überversorgt? Was passiert in naher Zukunft? Stichwort: Rund 1000 Einwohner mehr in den nächsten Jahren. Wie sieht es mit den räumlichen Gegebenheiten aus? Hätte ein Ärztehaus eine Zukunft in Waldbronn oder sogar ein medizinisches Versorgungszentrum? Wie sieht es mit Nachfolgern in den Praxen aus? Diese und weitere Themen wurden am Runden Tisch mit 11 Waldbronner Ärzten und Jan-Ulrich Schuster von der Kassenärztlichen Vereinigung BW diskutiert.

Die Kassenärztliche Vereinigung fasst Waldbronn, Karlsbad, Marxzell und Ettlingen zum Mittelbereich Ettlingen zusammen, erläuterte Jan-Ulrich Schuster, Niederlassungs- und Kooperationsberater bei der KVBW. Eine optimale Quote wäre im Mittelbereich 1515 Einwohner pro Hausarzt. Diese 100 prozentige Versorgung ist allerdings nicht gegeben; liegt aber mit 89,9 Prozent, so Schuster, durchaus im guten Bereich. In Waldbronn selbst gibt es sechs Hausärzte und zwei Anstellungen in Teilzeit (7,5 Stellen). Gemessen an den Einwohnern kommt man auf rund 1804 Einwohner pro Hausarzt. Auch wenn momentan die Versorgung in Waldbronn gewährleistet ist, kann es in ein paar Jahren bereits ganz anders aussehen und zwar dann, wenn die Quote unter 75 Prozent rutscht.

In dieser Prognose waren sich die anwesenden Ärzte einig. Denn der Altersdurchschnitt der niedergelassenen Hausärzte tendiert in Waldbronn gen 60 Jahre. Es werde zunehmend schwieriger, einen Nachfolger zu finden. Zumal unter Studenten die Allgemeinmedizin nicht mehr so attraktiv sei, da als Facharzt oft mehr verdient werde. Weiterhin seien immer weniger junge Ärzte bereit, 50-60 Stunden in der Woche zu arbeiten. Dies bringt eine eigene Praxis aber mit sich, auch scheuen viele junge Mediziner die Verantwortung. Für junge Ärztinnen sei es schwierig Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Da sei vor allem die Politik gefragt, diese müssen den Hausarztberuf attraktiv halten und fördern, darin waren sich die anwesenden Ärzte einig. Beispielsweise müssten die Zulassungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium gelockert werden, Stichwort Numerus Clausus. Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigung, so Jan-Ulrich Schuster, wie beispielsweise diverse Weiterbildungs- und Teilzeitmodelle, versuchen bereits, jungen Ärzte den Einstieg in den Beruf des Hausarztes zu erleichtern.   

Lösungen für die Zukunft könnten Ärztehäuser oder medizinische Versorgungszentren sein. Alle anwesenden Ärzte könnten sich in Waldbronn sowohl ein Ärztehaus, dies ist eher ein lockerer Verbund unter einem Dach, als auch ein Versorgungszentrum vorstellen. Hierfür müsste allerdings ein Investor gefunden werden. Weiterhin für ein paar Stunden jungen Kollegen beratend zur Seite stehen, ist für einige Ärzte auch nach ihrem Ruhestand durchaus vorstellbar.
Ein erster Schritt, so Bürgermeister Franz Masino abschließend, sei mit dem ersten Treffen am Runden Tisch erfolgt. Nun müsse man in Kontakt bleiben und an einem Konzept für die Zukunft arbeiten. Dazu werde die Verwaltung zunächst Kontakt mit Ärztehäuser und Versorgungszentren aufnehmen.

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