Gemeindenachricht

Fluchtgedanke
Freiheit, liebe Bürgerinnen und Bürger, ist ein großes Wort mit vielen Bedeutungen.


Waren in der Antike lediglich die Bürger und der Adel frei, so gab es im Mittelalter verschiedene Abstufungen, die hauptsächlich von gesellschaftlicher Stellung abhängig waren.

Nicht zu vergessen sind natürlich die gesetzlich festgeschriebenen Freiheiten, die wir genießen dürfen, andererseits auch die kleinen Freiheiten des Alltags, die jede/r sich von Zeit zu Zeit gönnt.

Ohne das individuelle Verständnis von Freiheit überhaupt mit einbezogen zu haben, ergeben sich schon jede Menge Freiheiten.

Die Freiheiten, denen wir uns aktuell besonders bewusst werden, sind die, die wir zu Gunsten der allgemeinen Gesundheit zurückschrauben müssen.

Versammlungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, allein die Tatsache, nicht wie gewohnt alles machen zu können. Einige sammeln kräftig Überstunden, während andere zu Hause sitzen müssen, im Homeoffice, zur Kinderbetreuung, weil der Betrieb vorrübergehend geschlossen wurde.

Sicher, das hat sich keiner aus freien Stücken ausgesucht, die Coronavirus-Erkrankung COVID-19 hat uns alle fest im Griff.

Das Wort Freiheit, vermutlich vom mittelhochdeutschen Wort vrīheit abstammend, beschreibt in seiner ursprünglichen Bedeutung den Stand eines Freien oder auch Privileg.

Freiheit ist Privileg.

Es steht völlig außer Frage, das gibt keiner gerne auf, Verunsicherung, vielleicht auch Unverständnis waren in den letzten Wochen ständige Begleiter, bis hin zu leeren Nudel- und Klopapierregalen.

Nachdem ein einzelnes Virus schon so viel Verwirrung, Unsicherheit und Hamsterkäufe in der Bevölkerung auslösen kann, versuche ich mir vorzustellen, was ein ganzer Krieg mit Menschen machen kann. Ein Krieg, der zur Folge hat, dass Menschen fliehen, ihr Zuhause und alles Gewohnte zurücklassen, sich in Lebensgefahr begeben um dem zu entrinnen.

Für einen Moment habe ich das Gefühl diese Menschen besser verstehen zu können und dennoch ist mein eigenes Leben so weit weg von Krieg, dass ich mir nicht mal im Ansatz vorstellen kann, was für ein unfassbarer Ausnahmezustand das sein muss.

Lassen Sie uns dieses Virus als Chance sehen die Freiheiten wertzuschätzen, die wir sonst als selbstverständlich ansehen.

Lassen Sie uns es als Chance sehen uns unserer Privilegien bewusst zu werden. Wir haben ein Zuhause, in dem wir uns in Quarantäne begeben können, genug Platz um Abstand voneinander zu halten.

Während wir die Qual der Wahl haben, ob wir während dem Händewaschen nun stumpf auf die Uhr schauen, Ave Maria beten, Happy Birthday singen oder doch lieber die Ode an die Freude summen, kommt im Flüchtlingscamp in Lesbos und an anderen Orten der Welt kein Tropfen Wasser aus dem Hahn.

Schutz vor dem Virus ist Privileg.

In diesem Sinne, nutzen wir unsere Privilegien, bleiben Sie zuhause wo auch immer es geht und vor allem bleiben Sie gesund!
 
Es grüßt Sie herzlich
Thomas Christl
Integrationsbeauftragter
 
P.S. Übrigen finden Sie auch Informationen zur Begleitung von geflüchteten Menschen und dem  Thema Integration unter der Webseite der Gemeinde Waldbronn.



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