Gemeindenachricht

Gedenken zum Volkstrauertag: „Auch die Corona-Opfer mahnen uns gemeinsam gegen diesen Feind vorzugehen“


Viele Waldbronnerinnen und Waldbronner kamen zum diesjährigen Volkstrauertag auf den Busenbacher Friedhof.

Die Gedenkfeier zum Volkstrauertag fand am vergangenen Sonntag am Ehrendenkmal auf dem Busenbacher Friedhof statt. Zahlreiche Waldbronner Bürgerinnen und Bürger waren zur Feierstunde gekommen. Der Musikverein Edelweiß und der Gesangverein Freundschaft umrahmten die Feier musikalisch. Bürgermeister Franz Masino und Pfarrer Torsten Ret hielten eine Ansprache. Vertreter der Evangelischen Kirche sprachen eine Lesung. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Busenbach und des DRK Busenbach hielten mit Fackeln die Ehrenwache. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten.

Bürgermeister Franz Masino bei seiner Ansprache.

Es folgt die Ansprache von Bürgermeister Franz Masino im Wortlaut:

„Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Jugend,

Der Volkstrauertag ist einer dieser stillen Gedenktage, von denen der November gleich mehrere aufweist. Er ist ein Nationaler Gedenktag zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und der Toten beider Weltkriege. Es ist ein Tag, der uns zum Innehalten, zur Einkehr und zum Mitfühlen ermuntert. Vor fast genau hundert Jahren wurde der Volkstrauertag eingeführt, als Gedenktag für die Kriegstoten des Erstens Weltkriegs. Was danach folgte – wir alle wissen es.

76 Jahre sind seit Ende des zweiten Weltkriegs vergangen. Aber der Zweite Weltkrieg wirft auch heute noch einen langen Schatten. Er ist ein ferner, aber kein abgeschlossener Teil unserer Vergangenheit, unserer Geschichte. Nein, wir, die wir hier stehen, müssen uns nicht schuldig fühlen. Nein, das müssen wir nicht. Aber wir müssen uns verantwortlich fühlen dafür, dass so etwas Schreckliches nie wieder von unserem Boden aus geschieht.

Frieden und Freiheit sind für uns hier das Selbstverständlichste. Krieg und Gewalt, das kennt meine und die jüngere Generation nur aus Presse und Fernsehen. Und das ist ja immer so weit weg. Angst vor Heckenschützen, Autobomben, sich fürchten müssen bei den alltäglichsten Dingen des Lebens – das kennen wir hier alle nicht.
Als ich über den Volkstrauertag 2021 nachdachte, habe ich den neuen Feind der gesamten Menschheit, das Corona-Virus, diesen unsichtbaren Feind, mit in den heutigen Tag eingebunden und damit in meine Ansprache als Bürgermeister zum Volkstrauertag. Leider musste ich für mich festhalten – wir sind uns nicht alle einig, ob es diesen Feind überhaupt gibt und wie man damit umgeht. Selbst die krassesten Bilder auf dem Bildschirm, ob der vielen Toten, Bilder aus den Intensivstationen, es gibt viel zu viele Zweifler und Impfgegner. Auch dieser Umstand gefährdet den Frieden in unserer Gesellschaft, auch hier sind wir gefordert, Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn auch die Corona-Opfer mahnen uns gemeinsam gegen diesen Feind vorzugehen.

So wie gegen viele weitere Missstände auf dieser Welt. Und denken wir auch daran, dass neben uns noch immer viele Opfer von Krieg und Gewalt leben. Nicht nur die Opfer des Zweiten Weltkrieges. Nach wie vor werden Menschen in vielen Teilen der Welt Opfer von Willkür und Terror. Auch mit diesem gegenwärtigen Schrecken müssen wir uns am Volkstrauertag auseinandersetzen. Denken wir an die Menschen, die sich auf den Weg machen um vor Krieg und Hunger zu fliehen. Was würden wir denn tun an deren Stelle? In Afghanistan, in Ruanda, in Syrien und an vielen weiteren Orten unseres Planeten? Schauen wir doch auf das Drama an der Grenze zwischen Polen und Belarus. Warum sind denn diese verzweifelten Menschen dort? Diese Frage sollte sich jeder selbst stellen, bevor er über Flüchtlinge und die damit einhergehenden Maßnahmen urteilt.

Frieden und Freiheit sind die höchsten Güter auf Erden. Für uns selbstverständlich, für viele Menschen leider ein lebenslanger Wunschtraum. Gerade wir Deutschen und alle anderen in Frieden und Freiheit lebenden Demokraten sind hier in der Pflicht. Kann es eine schönere, weltumspannende Aufgabe geben? Denn ohne Frieden und Freiheit werden wir alle anderen Herausforderungen nicht meistern.
Deswegen kann es auch gar keine Frage sein, ob wir einen Volkstrauertag brauchen! Viele meinen ja: Volkstrauertag, das war gestern, nur Ritual, Alibi. Sicher, die Gefahr ist gegeben, sie wird größer, je mehr die Erinnerungen verblassen. Aber das Gedenken am Volkstrauertag ist nicht nur eine Erinnerung an die Toten - und davon gab es im vergangenen Jahrhundert in zwei Weltkriegen und den Folgejahren die unvorstellbare Zahl von 100 Millionen. Dazu die Toten der Corona-Pandemie. Vorsichtige Schätzungen gehen von 6 Millionen aus. Auch diese Toten wollen wir heute in unser Gedenken einschließen.

Volkstrauertag – das ist Mitgefühl und Verbundenheit mit den Hinterbliebenen. Und es gemahnt an unseren Auftrag für Gegenwart und Zukunft. An diesem Tag werden wir ermahnt. Stellen wir uns dieser Aufgabe und werden ihr gerecht. Tun wir es nicht, haben wir schon heute verloren. Denn wir dürfen nicht wegsehen, wenn anderswo Menschen leiden, vertrieben werden oder sterben. Wir dürfen nicht stillhalten und akzeptieren, dass die Gewalt weiterwächst und uns beherrscht. Und das beginnt im Kleinen, vor unserer Haustür, denn um den Frieden muss sich jeder selbst bemühen, am Arbeitsplatz, in der Familie. Wir müssen uns für die Schwächeren einsetzen, für die Menschen am Rand der Gesellschaft. Der Volkstrauertag ist nicht nur ein Tag der Toten, sondern auch der Lebenden. Er bringt uns zum Nachdenken. Wie war, wie ist das alles möglich gewesen. Was können wir für den Frieden tun? Was können wir hier in Waldbronn im Kleinen tun?

Der Tag soll auch eine Mahnung zur Versöhnung, zur Verständigung, zur Toleranz und zum Frieden sein. Denn Versöhnung, Verständigung, Toleranz, das sind doch die großen Stärken einer aufgeschlossenen Gesellschaft.“

Anschließend hob Pfarrer Torsten Ret in seiner Ansprache die Bedeutsamkeit des Glaubens hervor. Es sei nicht selbstverständlich, dass die Kirchen bei gesellschaftlichen Ereignissen dabei seien. Gleichzeitig sei es wichtig, „immer auf das Gebot der Menschlichkeit zu hören“. Dieses dürfe nie verstummen. Ebenso wie die Würde des Menschen, die keinem abgesprochen werden dürfe.

Abschließend bedankte sich Bürgermeister Masino bei allen, die zum Gelingen der Feierstunde beigetragen haben. Er erinnerte ebenfalls an die vielen Kriegsgräberstätten, die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut und gepflegt werden. Für deren engagierte Arbeit bedarf es finanzieller Mittel. Deshalb wurde für diesen Zweck gesammelt. Die Feierstunde endete mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne und einem stillen Gedenken. 
Gemeinsam mit Bürgermeister Franz Masino legten die Gemeinderäte an den Ehrendenkmälern in Etzenrot und in Reichenbach ebenfalls Kränze nieder. Auch dort wurde nochmals in aller Stillen der zahlreichen Opfer aus allen Kriegen gedacht. 

Der Gesangverein Freundschaft umrahmte die Gedenkfeier musikalisch.        Der Musikverein Edelweiß spielte auf der Gedenkfeier.


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