Gemeindenachricht

„Es war mir eine Ehre und Freude, Bürgermeister meiner Heimatgemeinde zu sein“


Franz Masino (rechts) gemeinsam mit den GemeinderätInnen, die das Porträt für die Bürgermeister-Galerie im Rathaus überreichten. Das Bild ist von Florian Prünster aus Meran gemalt worden.

Mit der Vereidigung zum Bürgermeister begann vor 13 Jahren eine Ära, mit der feierlichen Verabschiedung endet diese nun auch hier. „Das Amt des Bürgermeisters war die Krönung meines Berufslebens. Es war mir eine Ehre und noch viel größere Freude, Bürgermeister meiner Heimatgemeinde zu sein“. sagte (ab sofort) Bürgermeister a.D. Franz Masino in seinem Schlusswort.

Doch der Reihe nach: Mal nachdenklich, mal launig, immer wertschätzend und herzlich die Grußworte aller Redner, die zudem von Dankbarkeit, aber auch Wehmut geprägt waren. Durch den stimmungsvollen Abend führte Bürgermeisterstellvertreter Joachim Lauterbach und musikalisch das everGreen swing attack unter der Leitung von Ralf Wittmann. Neben Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, Minister a.D. Ernst Vetter, Karlsruhes OB Dr. Frank Mentrup und Ettlingens OB Johannes Arnold waren auch die Landtagsabgeordneten Barbara Säbel und Christine Neumann-Martin, viele Bürgermeister der benachbarten Gemeinden, sowie Vertreter der Vereine, Kirchen, Schulen und Partnerschaften und natürlich Familie und Freunde zu Gast.

Joachim Lauterbach überreichte das Bürgermeister-Porträt, das künftig in der Galerie im Obergeschoss des Rathaues hängt.

„Es geht eine starke Persönlichkeit, die immer einen klaren Kurs und wenn notwendig auch eine klare Kante gezeigt hat“, sagte Joachim Lauterbach zu Beginn seiner Ansprache. „Franz Masino wollte immer nur das Beste für Waldbronn“.

Was lag ihm am Herzen? Wohnraum und Arbeitsplätze schaffen, Kindergärten bauen, die Erweiterung der Waldschule, die Sanierung der Straßen und Plätze, Feuerwehrfahrzeuge anschaffen. Für alle diese Investitionen habe sich Masino „mit viel Herzblut und großer Überzeugung eingesetzt“. Eben ein „Macher im besten Sinne des Wortes.“. Auch ein Erfolg: Der Vergleich mit der KVBW, so Lauterbach. Oder das Wohn- und Geschäftsgebiet Rück I, Neu- und Erweiterungen bei Agilent und Polytec, mehrfache Umbauten der Albtherme, Bau einer Energiezentrale, das Nahversorgungszentrum Aldi, aber auch eine schwierige Standortsuche für das Feuerwehrhaus haben seine Jahre geprägt.  Abschließend dankte Joachim Lauterbach, auch im Namen des Gemeinderates, für das „vertrauensvolle Miteinander und erfolgreiche Wirken“. Manch verzwickte Situation habe er mit einem Schuss Humor entzerrt. „Sein Fleiß und seine Ausdauer haben Waldbronn gutgetan“, sagte Lauterbach, der abschließend auch Michaela Merkle-Masino für ihren unermüdlichen Einsatz in vielen kommunalen Einrichtungen dankte.  

Mit herzlichen Worten bedankte sich Landrat Dr. Christoph Schnaudigel für die langjährige Arbeit in der Gemeinde, aber auch im Kreistag.     Mit launingen Worten verabschiedete Oberbürgermeister Johannes Arnold aus Ettlingen seinen Amtskollegen.

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel würdigte Masino als einen Bürgermeister, der „seine Aufgaben sehr gut und mit seiner ihm eigenen, persönlichen Art“ gemacht habe. Er sei ein „authentischer und offener, auch mal streitbarer Bürgermeister“ zum Anfassen gewesen, der viel für die Entwicklung der Gemeinde, aber auch als Kreisrat geleistet habe. Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold bedankte sich bei Franz Masino im Namen aller Amtskollegen, die ihn unter anderem als „geselligen, verlässlichen, warmherzigen, streitbaren, liebenswürdigen, fairen und aufrichtigen Menschen“ beschrieben hätten. Oder eben auch als „coole Socke“ und einer „der fehlen wird“. Der Dank und die Anerkennung aller Kolleginnen und Kollegen seien ihm gewiss. Günter Geisert dankte im Namen aller Waldbronner Vereine für die sehr gute Zusammenarbeit. Franz Masino habe „immer ein offenes Ohr für die Vereine gehabt und immer tragbare Einzellösungen für die Vereine gefunden“. Für ihn sei das Ehrenamt immer eine „wichtige Säule“ für Waldbronn gewesen. Auch Bernd Ambiel vom Hospizverein Karlsbad/Marxzell/Waldbronn würdigte die „kräftige Unterstützung und die „wertvolle Zusammenarbeit“ und überreichte Masino gleichzeitig eine Urkunde über die Ehrenmitgliedschaft im Hospizverein. Mit berührenden Segensworten bedankte sich Torsten Ret im Namen der Waldbronner Kirchen für die „offene und zugewandte, jahrelange unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Kirchen“.

Bernd Ambiel vom Hospizdienst überreichte eine Ehrenmitgliedschaft im Verein.

Last but not least bedankte sich Franz Masino mit einem lachenden und einem weinenden Auge bei seinen Amtskolleginnen und Kollegen („ich habe die tollsten Typen kennen und schätzen gelernt“) und bei „seinen“ Waldbronner Bürgerinnen und Bürger („Danke, dass ich Ihr Bürgermeister sein durfte“). Rückblickend habe es viele Herausforderungen gegeben, nicht zuletzt die Bürgschaft bei dem KVBW, aber auch die Kinderbetreuung, die Corona-Pandemie, die Flüchtlingskrisen. Gleichzeitig stellte Masino mit Blick auf die Erweiterungsabsichten von Agilent die Fragen in den Raum: „Gibt es für unsere Global Player in Waldbronn eine Zukunft? Gibt es für Waldbronn eine gesicherte Zukunft?“ Diese Fragen seien für seinen Nachfolger und den Gemeinderat nicht leicht zu beantworten. „Hier bedarf es einer Grundsatzentscheidung“, so Masino. Jedenfalls freue er sich jetzt auf seinen selbstbestimmten Rückzuck in den Ruhestand. „Es ist genau die richtige Zeit wieder einen Schritt zurück in die Reihen der Bürger zu machen“.  Sichtlich gerührt und bewegt nahm Franz Masino anschließend die Standing ovations seiner Familie, seiner Freunde, den Amtskollegen und aller sonstigen Gäste entgegen.

Torsten Ret bedankte sich im Namen der Waldbronner Kirchen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei Franz Masino.       Für die musikalische Umrahmung sorgte das everGreen swing attack aus Busenbach unter der Leitung von Ralf Wittmann.

Standing ovations für den scheidenden Bürgermeister und seine Ehefrau Michaela.

Abschiedsrede Bürgermeister a.D. Franz Masino im Wortlaut:

„23 Jahre Kommunalpolitik, davon 13 Jahre und einen Monat als Bürgermeister.

Mein Fazit: Keinen Tag meiner 23 Jahre in der Kommunalpolitik möchte ich missen. Es war eine tolle Zeit. Schon als Gemeinderat, aber als Bürgermeister natürlich erst recht. Dieses Amt, diese Position war die Krönung in meinem Berufsleben, auch wenn die 25 Jahre davor als selbstständiger Handwerksmeister auch toll waren. Aber Bürgermeister, das ist Leidenschaft. Manchmal auch Leiden.

Apropos Berufsleben, Beruf. Ist Bürgermeister ein Beruf? Oder doch eher eine Berufung? Eindeutig Berufung! Ich habe während meiner 13 Dienstjahre im Kollegenkreis die tollsten Typen kennen und schätzen gelernt. Frauen und Männer, die aus den unterschiedlichsten Berufen und Ämtern sich für das Amt des Bürgermeisters, der Bürgermeisterin, berufen fühlten. Bürgermeister kann man nicht einfach so lernen, da muss etwas in dir brennen. Und das fühlt man, wenn man mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen ist. Denn dieses Amt braucht mehr als Ämter und Paragraphen. Es braucht Herz und Seele. Das durfte ich jetzt für gut 13 Jahre erleben. Allen Kolleginnen und Kollegen ein ganz herzliches Dankeschön für diese tolle Zeit, die ich in Eurem Kreis erleben durfte. Auch die Zeit im Kreistag hat meine 13 Jahre bereichert. Danke hier nochmals an unseren Landrat Dr.Schnaudigel für das angenehme Miteinander, nicht nur im Kreistag. Übrigens, wir haben einen sehr guten Landrat.

Aber, am meisten bedanke ich mich bei unseren Bürgerinnen und Bürgern in Waldbronn, dass ich ihr Bürgermeister sein durfte.

Einen kurzen Blick zurück und einen kurzen Blick nach vorne sei mir gestattet.
Wir haben gemeinsam, auch Dank des Rückhalts aus dem Gemeinderat, zusammen mit dem Kurbeirat unsere Therme wieder in die Spur gebracht. Die Ergebnisse der Vor-Corona-Zeit waren dafür eine klare Bestätigung. Schule, Kindergärten, Kinderbetreuung im Allgemeinen, das sind immer herausfordernde, aber auch dankbare Aufgaben. Kitas bauen, erweitern, sanieren und dann einweihen dürfen – das sind Highlights für einen Bürgermeister. Und der neue Kindergarten in Etzenrot wird auch klasse. Der Verlust des Gesellschaftshauses wird mehr als kompensiert mit dem dort angegliederten, großzügigen Vereins- sprich Dorftreffpunkt. Liebe Etzenroter, habt etwas Geduld, ihr werdet überrascht sein. Das gilt auch für andere Ecken in Waldbronn: Wünsche gibt es viele, doch dazu braucht es auch das nötige Geld. Rück1, Rück2, das neue Nahversorgungszentrum, Waldbronn ist derzeit auf dem Sprung in Sachen Wohnraum und Einkaufen.

Der Krieg in Syrien, jetzt der Krieg in der Ukraine, das sind Herausforderungen auf die wir gerne verzichtet hätten. Wir stellen uns diesen und tun alles uns Mögliche. Allen, die sich in so vielfältiger Weise in der Flüchtlingsarbeit engagieren, hier einen herzlichen Dank.

Herausforderungen – das ist das Stichwort. Leute, wenn dann aus dem Archiv einer Zusatzversorgungskasse plötzlich eine Bürgschaft zu Tage gefördert wird und du plötzlich eine Forderung über rund 34 Mio. € auf dem Tisch hast… Schnappatmung.

Zwei Drittel meiner Amtszeit hat mich das jetzt begleitet. Ich bin regelrecht glücklich, dass der Streit mit der KVBW jetzt beigelegt ist und wir uns verglichen haben. Danke auch hier an alle Beteiligten. Extra Dank an den KVBW, der uns bis unter seine Schmerzgrenze entgegengekommen ist.

Etwas zum Schmunzeln in dieser Sache: Ein Bürger hat mir vor 8 Jahren, als zuerst die Forderung über rund 34 Millionen auf dem Tisch lag, in einem Umschlag zig Millionen überreicht. Sie alle kennen diese Scheine: Hunderttausender und Millionenscheine: Reichsmark. Lieber Franz Siffermann, ich schicke jetzt mal dem Kommunalen-Versorgungsverband-Baden-Württemberg 10 Millionen davon, den Rest gebe ich Dir gerne zurück. Danke dafür!

Zurück zu den Herausforderungen, die jetzt vor Waldbronn liegen, die ich mit großem Interesse verfolgen werde. Denn auch den Pensionär Franz Masino wird die Kommunalpolitik nicht loslassen.

Die größte Herausforderung wird die städtebauliche Weiterentwicklung unserer Gemeinde sein. Und hier denke ich nicht nur an das gemeinsame Feuerwehr-Haus, Bauhof und Wertstoffhof. Es gilt die Zukunft zu gestalten. Wir, Waldbronn, sind kein verschlafenes Dorf. Wir sind ein attraktiver Wohnort, heute mehr denn je. Wie sichert sich Waldbronn diesen Status?

Wir leben hier im Paradies. Wir leben hier in einer der stärksten Wirtschaftsregionen Europas. Wir leben hier in einer Wirtschaftsregion, die es uns erlaubt, aktiv Zukunft zu gestalten. Dazu zählt nicht nur Wohnraum und Nahversorgung. Dafür sorgen wir derzeit. Es ist höchste Zeit sich Gedanken über den nächsten Sprung zu machen. So wie unsere Väter und Großväter in den 70er Jahren die Vision Waldbronn hatten und diese geformt haben, wir diese Vision derzeit abrunden, so sind heute wir gefordert, nach 50 Jahren Waldbronn, die Vision 2050 und darüber hinaus anzugehen.

Braucht es weiteren Wohnungsbau? Für mich unbestritten. Braucht es Gewerbefläche? Fragen wir doch mal unsere Gewerbetriebe.
Unsere Global-Player, Agilent und Polytec, Weltmarktführer in medizinischer Messtechnik der eine, Weltmarktführer in schwingungsloser Messtechnik der andere, stehen derzeit unter der Bürgermeister-Tür und rufen nach Expansionsflächen mit der entsprechenden Infrastruktur. Agilent, mit derzeit gut 1200 Arbeitsplätzen rechnet bis 2030 mit 2000 Arbeitsplätzen. Polytec mit seinen Sparten muss sich weiter entwickeln. Wo entstehen diese Arbeitsplätze? Wachstum, wenn auch nicht in gleicher Dimension, bei einigen anderen Firmen. Gibt es für diese Firmen, und nicht nur für diese großen Firmen, eine Zukunft in Waldbronn? Gibt es für Waldbronn eine gesicherte Zukunft? Der Blick auf die Gewerbesteuereinnahmen der letzten Jahre, und gerade nochmals auf 2021 sollte diese Frage beantworten.  Hier braucht es in naher Zukunft eine Grundsatzentscheidung.

Oder soll tatsächlich alles bleiben wie es ist? Eines ist sicher, und hier wiederholt sich Geschichte immer wieder, um mit Gustav Heinemann zu sprechen: „Wer nichts verändern will wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“! Keine leichte Aufgabe für meinen Nachfolger und unseren Gemeinderat, aber eine dankbare Aufgabe. Eine Aufgabe, eine Grundsatzentscheidung, welche die Kommunalpolitik, welche die Zukunft Waldbronns der nächsten Jahrzehnte stark beeinflussen wird.

Nun ziehe ich mich also zurück in den sogenannten dritten Lebensabschnitt, in den Ruhestand. Angeblich arbeitet man ja sein ganzes Leben darauf hin. Das glaube ich nicht. Irgendwann ist es eben Zeit zu gehen. Auch schön, wenn man über diesen Zeitpunkt selbst bestimmen kann. Was wird nun sein ab übermorgen, wie wird mein Tag aussehen? Es wird spannend? Kein Terminkalender? Ein fragender Blick zu meiner Frau! Ich lasse mich überraschen. Das Schönste am Abschied nehmen heute ist doch die Tatsache, dass mein Abschied nicht digital stattfindet. Präsenz, volles Haus, einfach wunderbar. So viele Wegbegleiter, meine Familie, Freunde, väterliche Freunde, Alt und Jung. Und zu den Alten zähle ich jetzt auch! Es gibt für alles eine Zeit. Für meinen Abschied ist genau heute die richtige Zeit. Ich gehe jetzt. Nein, das ist so nicht ganz richtig. Ich gehe nicht.  Ich wechsle nur vom ersten Stuhl der Gemeinde zurück in die Reihen unserer Bürger, genau dorthin wo ich hergekommen bin und jetzt wieder hingehöre. Ich freue mich darauf.

Ich bedanke mich bei allen die ich begleiten durfte und die mich begleitet haben. Vier Personen möchte ich namentlich nennen. 12 Jahre hat mich Gertrud Rehfeld als Sekretärin begleitet, seit 15 Monaten hat dieses Amt Dagmar Becker inne. Ich hatte 2 tolle Sekretärinnen. Danke. Einer darf nicht fehlen. Oft brauchte es noch nicht mal ein Wort und die Sache war erledigt. Unser Hausmeister, mein Hausmeister Willibald Masino. Überragend. Danke Willibald. Last but not least bedanke ich mich bei unserem 1. Stellvertretenden Bürgermeister Joachim Lauterbach, der verantwortlich zeichnet für den heutigen Abend. Wie gewohnt in all den Jahren zuverlässig mit deinem Team organisiert. Vielen Dank lieber Joachim.

Es war mir eine Ehre und eine noch viel, viel größere Freude, euer Bürgermeister, Bürgermeister meiner Heimatgemeinde sein zu dürfen.

Auf Wiedersehen und herzlichen Dank!“


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