Waldbronn entsteht

Reichenbach wird Kurort

Über die Jahrhunderte waren Busenbach, Etzenrot und Reichenbach Dörfer wie viele andere, mit denselben oder doch ähnlichen Problemen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen wie ihre Nachbargemeinden. Während der Amtszeit von Bürgermeister Alfred Ohl (1960 - 1980) nahm zunächst Reichenbach eine Entwicklung, die in der näheren und weiteren Umgebung Ihresgleichen sucht. An die Fremdenverkehrstradition der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg anknüpfend und zielbewusst "Kurpolitik" betreibend, erreichte Bürgermeister Ohl 1968 die Prädikatisierung Reichenbachs als eines "staatlich anerkannten Kurorts".

Aus drei Dörfern wird ein Waldbronn

Die verkehrsgünstige Lage, die Attraktivität als Kurort sowie die großflächige Erschließung von Bauland waren die wesentlichen Gründe dafür, dass Reichenbach "die Wohngemeinde für gehobene Ansprüche" im Umfeld von Karlsruhe wurde. Diese Entwicklung bewirkte das stärkste Bevölkerungswachstum in der Geschichte des Dorfes - im Jahrzehnt zwischen 1960 und 1970 stieg die Zahl der Einwohner von rund 2.440 auf etwa 3.750 - und einen tiefgreifenden sozialen Strukturwandel, der auch die beiden Nachbarorte erfasste, als sich im Zuge der Gemeindereform die drei ehemaligen Dörfer des Stabes, deren öffentliches Leben in der Vergangenheit in politischer, wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht so eng verflochten war, 1972 zu einer Großgemeinde zusammenschlossen, die seit dem Jahre 1974 den Namen "WALDBRONN" trägt.

Die Geschichte der ehemaligen drei Dörfer Waldbronns, Busenbach, Reichenbach und Etzenrot, lief in den 70er Jahren in einer rasanten Entwicklung weiter. In allen drei Waldbronner Ortsteilen wurden große, landschaftlich reizvoll gelegene Baugebiete ausgewiesen. Die Einwohnerzahl der Gemeinde wuchs durch Zuzüge vor allem von Bürgern aus Karlsruhe stark an.

Im Mai 1982 erhielt die Gemeinde Waldbronn ein neues Wappen. Nach intensiven Vorberatungen im Gemeinderat entschied man sich schließlich für einen Entwurf, der Elemente der bisherigen drei Wappen der Waldbronner Ortsteile in sich vereint: das Mühlrad für Busenbach, den Mond für Etzenrot und das Wassersymbol für Reichenbach.

1292 - 1992: Eine Gemeinde feiert 700-jähriges Ortsjubiläum

Ein Jahr lang feierte Waldbronn 1992 sein 700-jähriges Ortsjubiläum. Alle drei Ortsteile wurden ja in ein und derselben Urkunde aus dem Jahr 1292 erstmals erwähnt. Eine Großveranstaltung jagte die andere. Die Waldbronner Vereine glänzten mit Konzerten, Ausstellungen und gelungenen Festen mit großem Programm. Höhepunkt war das historische Straßenfest in der Stuttgarter Straße und der Festumzug, mit dem die Geschichte Waldbronns und seiner drei Ortsteile anschaulich dargestellt wurde. Unzählige Menschen säumten aus diesem Anlass die Straßen der Gemeinde, durch die der Zug seinen Weg nahm. Das Backhaus beim Kulturtreff und der Brunnen an der Ecke Stuttgarter- Pforzheimer Straße erinnern noch heute an diese frohen Tage.

Die Bevölkerungszahl steigt derzeit leicht an und beträgt 12.316 Einwohner per Stichtag 31.01.2012. Die Konsequenz aus der früheren Bevölkerungszunahme war beispielsweise, dass der Friedhof im Ortsteil Reichenbach sehr umfassend erweitert werden musste. Auch im Ortsteil Busenbach wurden Grabfelder neu angelegt. Die frühere Bevölkerungszunahme war auch Veranlassung, die Anfang der 70er Jahre im Albtal in Betrieb gegangene Kläranlage zu modernisieren und zu erweitern.

Waldbronn wird Heilquellen-Kurbetrieb

Einen Höhepunkt hatte das Jahr 1994 parat. Beim Neujahrsempfang im Kurhaus überbrachte der damalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Rainer Brechtken frohe Kunde aus Stuttgart: nach langen Jahren des Anlaufs mit Untersuchungen, Gutachten, Besuchen von Kommissionen war die Gemeinde Waldbronn endlich am Ziel ihrer vorläufigen Wünsche: ihre Bemühungen um den Ausbau des Kurorts wurden mit dem Prädikat Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb honoriert. Die Anwendung des Wassers wurde über eineinhalb Jahre hinweg in der Klinik Reichenbach medizinisch erprobt.
Im Bereich der Kurortentwicklung ist auch die Brücke zu nennen, die die Pforzheimer Straße am Ortseingang von Reichenbach überspannt und in den Kurpark führt. Für die in Holz ausgeführte Konstruktion erhielt das Waldbronner Architekturbüro Michael Weindel den Deutschen Holzbaupreis.

Historisches Waldbronn

An das historische Waldbronn erinnern heute noch die Heimatstuben in der Stuttgarter Straße. In dem alten Fachwerkhaus, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kulturtreff gelegen, hat eine Bürgerinitiative, in der sich mehrere Waldbronner Handwerker und engagierte Bürger zusammengeschlossen hatten, Gegenstände aus den ehemaligen drei Dörfern gesammelt und das Gebäude im Innern wieder so hergerichtet, wie ein Haus in Reichenbach zum Ende des 19. Jahrhunderts ausgesehen haben mag. Bekannt sind die Heimatstuben auch durch die Heimatabende, die inzwischen wieder belebt wurden, und an denen die Gäste bei Most und einem deftigen Bauernvesper von den "Heimatstüblern" mit dem Reichenbacher "Original" Helmut Scheib an der Spitze bestens unterhalten werden.

Bauliche und strukturelle Entwicklungen im modernen Waldbronn

Große Summen verschwinden aber auch im Untergrund, das Kanalsystem ist an vielen Stellen marode, ähnliches gilt für Teile der Wasserleitungen. Großmaßnahmen liefen in der Stuttgarter- und der Friedenstraße sowie in der Pforzheimer Straße. 2008 wurde die Busenbacher Hellenstraße aufwändig saniert, 2012 wird die Leopoldstraße folgen.

Mit dem umweltfreundlichen Brennstoff "Gas" ist die Gemeinde inzwischen flächendeckend versorgt. Der Anstoß kam von den Gemeindewerken, zu Ende geführt wurde das Projekt dann nach dem Verkauf der Gasversorgungseinrichtungen an das Badenwerk, die heutige EnBW.
Von der Sanierungswelle betroffen war sogar der Dienstsitz des Bürgermeisters. Das Rathaus zog im Oktober 2000 in ein ehemaliges Hotel am Waldring, um am ehemaligen Standort den Handwerkern Platz zu machen. Im Oktober 2001 konnte dann die Gemeinde bei einem Bürgertreff stolz ihr neues –altes- Rathaus präsentieren.

2002 beschloss der Gemeinderat, "Im Neuen Heubusch" in Busenbach ein Neubaugebiet auszuweisen, das 150 Wohneinheiten umfasst. Mit der Maßnahme wurde ein Erschließungsträger beauftragt. Fast zeitgleich mit der Übergabe rückten auch die Bagger und Kräne im Neubaugebiet an, denn zum Zeitpunkt der Übergabe hatte die Gemeinde bereits über 30 Bauanträge genehmigt. Heute ist dieses attraktive Wohngebiet in Südhanglage fast vollständig bebaut, nur noch wenige Bauplätze sind frei.

Für das Gebiet "Neues Ortszentrum – Rück I" hinter dem Rathausmarkt wurden bereits 2002 erste Überlegungen angestellt. Seniorenzentrum, Wohnen und ein Neubaugebiet wurden dort geplant. Im Mai 2010 erfolgte der erste Spatenstich für das Pflegeheim, das im Oktober 2011 unter der Trägerschaft der Diakonie eröffnet werden konnte. Im Juli 2010 wurden mit dem Spatenstich die Arbeiten für das Haus "Wohnen 60+" begonnen, das inzwischen auch bezogen ist. Im Neubaugebiet begann nach der Freigabe im Oktober 2010 eine rege Bautätigkeit.

Moderne Technologien

Seniorenzentrum Waldbronn entwickelt sich immer mehr zu einer Solarkommune. Auf dem Dach der Albtherme stehen Kollektoren, die das Wasser dieser Waldbronner Freizeiteinrichtung erwärmen und auch das Freibad wird mit Solarzellen auf dem Dach des Eistreffs geheizt. Auf dem Rathausdach erzeugt eine "Photovoltaik-Anlage in Bürgerhand" Strom, und als neuesten Baustein liefert eine kleine Anlage bei der Albert-Schweitzer-Schule Energie und demonstriert den Schülern Wirkungsweise und Wirkungsgrad dieser umweltfreundlichen Technologie.
Aber auch auf dem Weg der interkommunalen Zusammenarbeit mit Karlsbad kam Waldbronn voran. Gemeinsame Sitzungen der Gemeinderäte haben stattgefunden, auf Antrag der CDU-Fraktionen beider Gemeinden wurde ein interkommunaler Ausschuss ins Leben gerufen. Ein deutlich sichtbares Zeichen waren seit 2010 die gemeinsamen, erfolgreichen Auftritte beider Gemeinden bei der offerta. Auch das Programm der Volkshochschulen von Karlsbad und Waldbronn ist seit 2011 in einem Heft vereinigt.

Die "schönste Brücke im Albtal"

2009 wurde nach 15 monatiger Bauzeit eine größere Straßenbaumaßnahme fertiggestellt. Im Albtal wurde der Knoten beim Bahnhof Busenbach grundlegend umgebaut. Möglich geworden war die Maßnahme, weil die AVG die Schienentrasse nach Reichenbach und Ittersbach verlegte und damit zunächst den schienengleichen Bahnübergang im Albtal beseitigte. Die Züge rollen seit dieser Zeit über eine der "schönsten AVG-Brücken", wie der ehemalige AVG-Chef Dieter Ludwig einmal sagte. Wegen ihrer Farbe wird die Brücke auch "das blaue Wunder" genannt. Auf die frei gewordene Trasse der Stadtbahn wurde dann die von Reichenbach kommende Pforzheimer Straße verlegt. Danach wurde auch der Knoten beim Bahnhof umgebaut. Beide Anbindungen sind mit Ampeln geregelt, und der Verkehr rollt entgegen mancherlei Befürchtungen reibungslos. Die gesamte Baumaßnahme kostete rund 4,4 Millionen Euro, die vom Land (3 Mio.) und der Stadt Ettlingen getragen werden. Die bisherige Pforzheimer Straße beim Bahnhof Busenbach wurde zu einer Stichstraße und von der Gemeinde inzwischen in Martin-Altenbach-Weg ungenannt, da der ehemalige Bürgermeister und Waldbronner Ehrenbürger dort wohnt.

Heimatstuben Neuerungen vermelden konnte aber auch das Standesamt. Seit 2010 können sich heiratswillige Paare auch im besonderen Ambiente der Waldbronner Heimatstuben trauen lassen und 2012 schuf der Gemeinderat auch die Voraussetzungen für "Trauungen unter freiem Himmel". Als Trauort wurde dazu der Musikpavillon im Kurpark Waldbronn gewidmet.

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