Gemeindenachricht

Französisches Boulevard vom Feinsten


Französisches Boulevard vom Feinsten: Die VHS-Theatergruppe Chamäleon spielt Pierre Chesnot’s  „Un beau salaud“  - So ein Schlawiner -  im ausverkauften Kulturtreff.

Starke Frauen und ein Schlawiner sorgen für viel Unerwartetes


„Ich weiß, es ist nicht üblich, dass sich Figuren aus einem Theaterstück direkt an das Publikum wenden, aber ….“                                                                                                                       
François Dumoulin wird es, entgegen seiner eigenen Aussage, im Laufe des Stückes immer wieder tun; hat er doch gegenüber dem Publikum einiges zu rechtfertigen.                                 
Er ist der „Schlawiner“ in der Komödie des französischen Erfolgsautors Pierre Chesnot, das die Theatergruppe „Chamäleon“ der Volkshochschule Waldbronn zurzeit auf die Bühne des Kulturtreffs bringt.
Ausgerechnet an seinem 60. Geburtstag beabsichtigt François, sich mit seiner jungen Geliebten Marie-Pierre aus dem Staub zu machen und fernab von Paris ein neues Leben anzufangen. Nichts ahnend bereiten derweil seine Frau Cathérine und seine Ex-Frau Betty zu Hause eine Überraschungsparty für ihn vor. In Tränen aufgelöst platzt Barbara, François‘  langjährige Geliebte, in die Szene und informiert die beiden Frauen über das Vorhaben des Schwerenöters. Als François nach Hause kommt, erwartet ihn – na ja Unerwartetes.

Gerd Kiecherer hat das Stück im Kollektiv mit der gesamten Theatergruppe typgenau besetzt und schwungvoll und pointiert inszeniert. Er selbst spielt den François souverän und nimmt sich in der Gestaltung dieser (Traum-)Rolle offensichtlich Anleihen bei großen Vorbildern (Bernard Blier, Premiere 1976  in Paris; Wolfgang Spier, 1990 Komödie Berlin).
Daneben lebt die Inszenierung, insbesondere der 1. Akt, vom komödiantischen Spiel und  Wortwitz der „zurückgelassenen Frauen“:
Birgit Jensen spielt die Rolle der Ehefrau Cathérine temporeich und mit klarer Sprache. Bemerkenswert die Darstellung  der wechselnden Gemütsverfassung, von gelassen selbstsicher bis zu ratlos, verzweifelt und zu allem entschlossen.
Die Rolle der mit Cathérine befreundeten Ex-Frau Betty scheint Gabriele Schiller geradezu auf den Leib geschneidert. Die Interpretation der Rolle (mütterlich und naiv), im Verbund mit trocken vorgebrachten Pointen, erntete beim Premierenpublikum wiederholt Lachsalven und Szenenapplaus.
Gleiches gilt für Petra Schroff, die der Rolle der verlassenen Geliebten Barbara überzeugend jene psychische Note (hysterisch, oberflächlich traumatisiert) verleiht, die ihre prekäre Situation glaubhaft vermittelt.
Im 2. Akt nehmen die Ereignisse dann rasend ihren Lauf. Die Dramaturgie eröffnet den Akteuren jetzt auch Raum für gelegentliche Slapstick-Einlagen, die (vom Autor auch vorgesehen) das Stück temporeich dem Showdown entgegentreiben. Dieser wird vom Auftreten von François‘, etwas kurzsichtiger und leicht lispelnder neuer „Flamme“ Marie-Pierre eingeleitet (Saskia Fien, überzeugend naiv), die die Gesellschaft aufmischt und die Lage für François geradezu ausweglos erscheinen lässt.

Die VHS Theatergruppe zeigt ihr ganzes Können.      So ein Schlawiner...    Fotos: Sascha Dreher

Unfreiwillige Zeugen der zunehmend heftig ausgetragenen Beziehungskiste sind die Partygäste Evelyne (Monika Winkler-Kolb, gekonnt schockiert und peinlich berührt) und Paul (Klaus Schroff, laut tönend jovial, zunehmend ängstlich, feige), beide offensichtlich hin- und hergerissen zwischen panisch fliehen und neugierig bleiben wollen („Aber danach gehen wir ganz bestimmt!?“).
Den Zuschauern der Premiere gefiel’s. Wiederholter Szenenapplaus sowie lang anhaltender Schlussapplaus quittierten die gelungene, sehenswerte Inszenierung.
Der Applaus galt sicher auch den „Chamäleons“, die hinter und neben der Bühne zum Gelingen beitrugen, so dem Bühnenbild von Martin Kage (auch zuständig für Lichttechnik), der wieder einmal beeindruckend eine Kleinkunstbühne in eine Boulevard-Szenerie verwandelt hat,
der Souffleuse Michaela Schroff, die den Darstellern zuverlässig Sicherheit vermittelte,
der für Maske zuständigen Patricia Keller und Dagmar Notaro, die den Darstellern zusätzlich Farbe gaben, der Tontechnik durch Peter Reising, der mit professionellen Geräusch- und Musikeinspielungen dem Stück zusätzlich Atmosphäre verlieh.
                                                                                                             
Den bisherigen vier (ausverkauften) Vorstellungen folgen noch weitere Aufführungen am Freitag, 23.11. und Samstag, 24.11., jeweils 19:30 Uhr und am Sonntag, 25.11.2018, 18:00 Uhr. Alle im Kulturtreff Waldbronn-Reichenbach. Einzelne Restkarten können evtl. noch bezogen werden bei der VHS Waldbronn, Tel. 07243/69091.
 

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