Gemeindenachricht

Ein Haus und eine Familie in skurriler Schieflage


Ein Haus und eine Familie in skurriler Schieflage: Die VHS-Theatergruppe Chamäleon spielt Michael McKeever‘s Stück „37 Ansichtskarten“ im ausverkauften Kulturtreff.

Der Wahnsinn liegt unter der Oberfläche


"37 Ansichtskarten" heißt der diesjährige Beitrag der VHS-Theatergruppe "Chamäleon" zum Waldbronner Kulturherbst. Hinter dem eher etwas nichtssagenden Titel verbirgt sich eine höchst kurzweilige Komödie des Amerikaners Michael McKeever, von dem "Chamäleon" schon einmal ein Stück (2010: „Der süsseste Wahnsinn“) mit Erfolg auf die Bühne des Kulturtreffs gebracht hatte.

Zum Inhalt sei nur so viel verraten: Nach achtjährigem Aufenthalt in Europa kehrt Avery Sutton in sein Elternhaus in Darien, Connecticut, zurück, um seine Braut Gillian Vater, Mutter und Tante vorzustellen. Bald finden sich beide in einer mehr als surrealen und skurrilen Welt wieder. Nicht ganz zu Unrecht werden Georges Feydeau, Monty Python und Peter Shaffer als Paten dieser Komödie genannt. Da die Aufführung der VHS-Theatergruppe aber noch insgesamt dreimal zu sehen ist, soll über den Inhalt nicht allzu viel verraten werden.
Die Inszenierung von „Gerd Kiecherer und der Theatergruppe" widersteht der Versuchung, durch allzu groteske Überzeichnungen möglichst viele Lacher herauszukitzeln. Sie setzen mehr auf den nachdenklichen Dialogwitz des Stücks und liegen damit richtig, wie die bisherigen Publikumsreaktionen bewiesen.

"Ich dachte, du bist tot!": Szene mit Katrin Kraft, Gerd Kiecherer und Martin Kage.       "Ich bin in einer anderen Dimension ": Szene mit Gabrielle Schiller, Gerd Kiecherer und Birgit Jensen.

Sinnbild für den Realitätsverlust der Familie Sutton ist auch das wunderbar schräge Bühnenbild, das Martin Kage geschaffen hat, der auch in der Rolle der für tot erklärten Großmutter glänzt. Das Panoptikum der Suttons ergänzen hervorragend Birgit Jensen als Tante Ester mit ihren eindeutig zweideutigen Telefonaten sowie Gabriele Schiller als Hausherrin mit eklatanten Gedächtnisproblemen. Dem Hausherrn Stanford gibt Klaus Schroff Profil als liebenswürdigen Charmeur, der noch nicht so weit der Wirklichkeit entrückt scheint wie seine Damen.
Bei dieser Flucht vor der Realität haben es Gerd Kiecherer als Avery Sutton und Katrin Kraft als seine Verlobte Gillian als die scheinbar einzigen Normalos nicht leicht gegen die geballte Skurrilität anzukämpfen. Gerd Kiecherer fügt der langen Reihe seiner gelungenen Rollenporträts auf der Bühne des Kulturtreff ein weiteres Glanzlicht hinzu.

Rund wird die Aufführung durch die Helfer vor und hinter der Bühne: Michaela Schroff vermittelt als  Souffleuse den Darstellern zuverlässig Sicherheit und Maria Anna Kiecherer sorgt für die erforderlichen stimmigen Beleuchtungseffekte. Besondere Anforderungen stellt das Stück an das für die Maske zuständige Zweierteam Patricia Keller und Dagmar Notaro. Sie bewältigen diese Aufgabe ebenso mit Bravour, wie Tontechniker Peter Reising, der dem Stück mit beeindruckenden Geräusch- u. Musikeinspielungen zusätzlich Atmosphäre verleiht.

INFO: Theater im Kulturtreff gibt es noch insgesamt drei Mal zu erleben, am Freitag, 22.11. und Samstag 23.11., jeweils um 19:30 Uhr, sowie am Sonntag, 24. November um 18:00 Uhr. Zu diesen Vorstellungen sind teilweise noch Restkarten erhältlich bei der VHS Waldbronn, Stuttgarter Str. 25a, Tel. 07243-69091.

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